Kiew ehrt den Sieg über Hitler – doch Gedenken mischt sich mit Heldenverehrung. Was steckt dahinter? Eine Kolumne

Die Ukraine hat ranghohe Vertreter der Europäischen Union (EU) eingeladen, am 9. Mai Kiew zu besuchen – ein symbolischer Akt, um Wladimir Putins alljährliche Siegesparade in Moskau zu kontern. Damit soll in Erinnerung gerufen werden, dass Russland sich den Sieg über den Nationalsozialismus nicht aneignen kann, denn auch Millionen ukrainischer Männer und Frauen kämpften in den Reihen der Roten Armee gegen Nazi-Deutschland und seine Verbündeten.
Doch wie sehr ehrt die heutige Ukraine tatsächlich diese sowjetischen Kämpfer und gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus? Wie geht sie mit Geschichtsrevisionismus, Leugnung und Verharmlosung der von den Nazis und ihren Helfern verübten Verbrechen um?
Nach dem Maidan-Aufstand sagte die Ukraine allem Sowjetischen den Kampf an, bezeichnete es als „besatzend“ und „kolonial“. Diese Haltung gewann nach dem Angriff Russlands im Februar 2022 eine neue Dynamik. Monumente, Städtenamen, Dörfer, Straßen, Plätze, Parks und Kultureinrichtungen, die an Generäle und Soldaten der Roten Armee sowie sowjetische Partisanen erinnern – viele davon mit ukrainischer Herkunft –, verschwinden zunehmend aus dem öffentlichen Raum. Ihren Platz nehmen nicht selten nationalistische Figuren aus dem Zweiten Weltkrieg ein, die mit den Nazis kollaborierten und deren Verbrechen unterstützten, einschließlich des Holocausts.
Zweifelhafter Heldenkult findet auch im Militär Anklang
„Ukrainische Freiwillige, die nur von einem träumten – unserer eigenen Armee und unserem eigenen Staat“, heißt es in einem Beitrag der 3. Sturmbrigade auf Telegram zur Erinnerung an die „Galizische Division“. Der Beitrag verschweigt jedoch den vollständigen Namen dieser am 28. April 1943 gegründeten Formation: die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (galizische Nr. 1). Ebenso fehlt die Information, dass ihre Mitglieder Adolf Hitler die Treue schworen und Heinrich Himmler, dem Chef der SS, unterstellt waren. Ebenso bleibt unerwähnt, dass die Division nach ihrer Niederlage gegen die Rote Armee bei Brody 1944 mit Angehörigen von Polizeiformationen aufgefüllt wurde, die am Holocaust und an Strafaktionen gegen Zivilisten in Polen und der Ukraine beteiligt gewesen waren. Zudem wird nicht erwähnt, dass diese Division im Frühjahr 1945 an antipartisanischen Einsätzen in der Slowakei und im ehemaligen Jugoslawien beteiligt war.
2023 organisierte die 3. Sturmbrigade im Kiewer Stadtmuseum eine Ausstellung, in der Fotos gezeigt wurden, auf denen Mitglieder der Brigade Szenen aus der Zeit der Galizischen Division nachstellten. Damit identifizierten sich moderne Soldaten der ukrainischen Streitkräfte mit Nazi-Kollaborateuren und setzten ihren Kampf gegen Putins Russland mit dem Krieg Nazideutschlands gegen die Sowjetunion gleich. Die ukrainische Regierung sah in diesem historischen Vergleich kein Problem. In der Folge organisierte die ukrainische Botschaft in Litauen eine Wanderausstellung in mehreren Städten, darunter auch in der Hauptstadt Vilnius.
Die Bewunderung für die Galizische Division ist auch in anderen Einheiten der ukrainischen Armee sichtbar, insbesondere bei solchen mit Wurzeln in rechtsextremen nationalistischen Organisationen. Einige Mitglieder des Carpathian-Sich-49. Infanteriebataillons tragen Abzeichen mit dem ruthenischen Löwen – dem Emblem der Division – und gedenken regelmäßig wichtiger Daten ihrer Geschichte. Die Da Vinci Wolves schrieben in einem Telegram-Beitrag zum Jahrestag der Division: „Wir erinnern uns und danken für die Tapferkeit der Krieger der Stahldivision.“
Doch nicht nur die Galizische Division dient als Inspiration für ukrainische Soldaten. 2023 wurde eine Einheit namens „Nachtigall“ gegründet. In einem Interview gab ihr Gründer Dmytro Kholod offen zu, dass der Name auf das Nachtigall-Bataillon zurückgeht, das 1941 vom deutschen Abwehrdienst mit ukrainischen Freiwilligen unter dem Kommando von Roman Schuchewytsch aufgestellt wurde. Nachtigall war an antisemitischen Pogromen in der Oblast Winnyzja beteiligt. Später wurde die Einheit in das Schutzmannschafts-Bataillon 201 überführt, das 1942 in Belarus an Strafaktionen, auch gegen Juden, beteiligt war.
Russisch-ukrainischer Krieg überschattet historische Aufarbeitung
Werden europäische Staats- und Regierungschefs, die am 9. Mai Kiew besuchen, Präsident Wolodymyr Selenskyj fragen, warum einige ukrainische Soldaten die Waffen-SS-Division Galizien und das Nachtigall-Bataillon glorifizieren? Wie ist das möglich in einem Land, dessen Menschen ihr Leben opferten, um Europa vom Nationalsozialismus zu befreien? Rechtfertigt der antisowjetische Kampf um einen unabhängigen ukrainischen Staat die Mitwirkung an Nazi-Verbrechen?
Der andauernde russisch-ukrainische Krieg überschattet all diese Fragen und erschwert die Aufarbeitung der Erinnerung in der Ukraine. Und all das geschieht vor den Augen des Westens, der zur wachsenden Nazi-Apologie in der Ukraine beredt schweigt [Ende]
Der vollständiger Artikel
Die ukrainische Historikerin Marta Havryshko lebt und arbeitet in den USA.
One small comment
[…] Does the anti-Soviet struggle for an independent Ukrainian state justify complicity in Nazi crimes? […]
Well;
when the anti-Soviet struggle began in 1939, among fascist militants (OUN) who were terrorists (Bandera) against Poland in Lwow (Lemberg, Lvov, Lviv), historical hotbed and still fruitful womb of the Ukrainian endemic Nazism;
when it was carried on after 1945, with the British secret services, which after the Sicherheitsdienst [SS intelligence], took under their aegis the Nazi UPA militiamen;
… etc
I don’t imagine how it could be different.
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